Die Nachricht, dass die Schauspielerin Aubrey Plaza mit ihrem Partner Christopher Abbott ein Kind erwartet, hat in den sozialen Medien eine polarisierende Debatte entfacht. Während die Ankündigung ein neues Kapitel in Plazas Leben markiert, löste sie auch eine Welle öffentlicher Kritik hinsichtlich des Zeitpunkts ihrer neuen Beziehung aus.
Nach dem Tod ihres Mannes Jeff Baena durch Selbstmord im Jahr 2025 haben viele Beobachter Plattformen wie X (ehemals Twitter) genutzt, um die Geschwindigkeit zu kritisieren, mit der Plaza vorangekommen ist. Diese Reaktionen verdeutlichen eine anhaltende, oft harte gesellschaftliche Erwartung, wie lange eine Person in einem Zustand sichtbarer Trauer verharren soll.
Das „No-Win“-Szenario für Witwen
Die Gegenreaktion gegen Plaza ist Teil eines umfassenderen Trends, bei dem Witwen oft in einer psychologischen „Doppelbindung“ gefangen sind. Laut Anita Coyle, Moderatorin des Podcasts „Widow We Do Now?“*, stehen junge Witwen vor unmöglichen Standards:
- Wenn sie sich früh verabreden: Ihnen wird vorgeworfen, dass sie ihren verstorbenen Partner nicht wirklich lieben.
- Wenn sie Single bleiben: Sie werden dafür kritisiert, dass sie in ihrer Trauer „stecken bleiben“ und es nicht schaffen, weiterzumachen.
Dieses Urteil legt nahe, dass die Gesellschaft das Dating-Leben einer Witwe oft als „Lackmustest“ für die Gültigkeit ihrer früheren Ehe nutzt. Interessanterweise stellt Coyle fest, dass der Druck nicht gleichmäßig ist; Sie wurde mit der gegenteiligen Kritik konfrontiert, und die Leute fragten, warum sie seit dem Tod ihres Mannes im Jahr 2019 nicht mehr ausgegangen sei.
Stigmatisierung und die Natur des Verlusts
Die Komplexität des öffentlichen Urteils wird durch die Umstände des Todes eines Partners noch verstärkt. Da Baena durch Selbstmord starb – ein Tod, der oft mit sozialer Stigmatisierung verbunden ist – müssen sich die Überlebenden einer noch intensiveren Prüfung stellen.
Die lizenzierte klinische Beraterin Elishia Durrett Johnson erklärt, dass Selbstmord nicht als „natürlicher“ Tod betrachtet wird und die Öffentlichkeit ein gesteigertes, wenn auch unangebrachtes Gefühl der Autorität verspürt, die Trauer des Überlebenden zu überwachen. Dies schafft ein Umfeld, in dem der überlebende Partner nicht nur nach seinen Handlungen beurteilt wird, sondern auch nach der wahrgenommenen „Akzeptanz“ seines Verlusts.
Geschlechtsspezifische Erwartungen in der Trauer
Es gibt auch ein deutliches Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern bei der Art und Weise, wie die Gesellschaft die „Erlaubnis“ zum Weitergehen erteilt:
- Witwer: Männer erhalten oft mehr Spielraum und soziales Ansehen, wenn sie schnell neue Partner finden, was häufig auf das gesellschaftliche Narrativ zurückzuführen ist, dass ein Mann „eine Frau braucht“.
- Witwen: Frauen sind deutlich stärker stigmatisiert und es wird von ihnen erwartet, dass sie strengere, formelle Trauerzeiten einhalten.
Die Trauerberaterin Jill Cohen weist darauf hin, dass diese veralteten Vorstellungen darauf hindeuten, dass eine Witwe „eine ganze Reihe von Zyklen lang trauern“ sollte, es jedoch kein biologisches oder psychologisches Regelwerk gibt, das vorschreibt, wann eine Person „erlaubt“ ist, wieder Liebe zu finden.
Navigieren im „Ozean der Schrecklichkeit“
Plaza selbst hat offen über die Realität des Lebens mit Verlust gesprochen und ihre Trauer als einen „riesigen Ozean der Schrecklichkeit“ beschrieben, der immer präsent ist, selbst wenn sie versucht, voranzukommen.
Experten argumentieren, dass die Suche nach einem neuen Partner während der Bewältigung eines solch schweren Verlusts kein Zeichen dafür ist, die Vergangenheit zu vergessen, sondern vielmehr ein bedeutender Akt emotionaler Widerstandskraft. Für diejenigen, die einen Partner finden, der diesen „Ozean“ verstehen kann, kann die Verbindung einzigartig kraftvoll sein.
„Sie hat dieses Schreckliche in ihrem Leben erlebt und sie verdient ein nächstes Kapitel, das sie glücklich macht“, sagt Coyle.
Schlussfolgerung: Die öffentliche Reaktion auf Aubrey Plaza unterstreicht eine gesellschaftliche Tendenz, private Trauer zu überwachen. Letztlich gibt es keinen universellen Zeitplan für den Verlust, und die Fähigkeit eines Überlebenden, wieder glücklich zu werden, ist eine zutiefst persönliche Reise, die außerhalb gesellschaftlicher Erwartungen stattfindet.
