Eine neue Studie legt nahe, dass ein einfacher Bluttest Frauen identifizieren könnte, bei denen ein hohes Risiko besteht, bis zu 25 Jahre vor dem Auftreten von Symptomen an Demenz zu erkranken. Forscher der University of California in San Diego fanden einen starken Zusammenhang zwischen erhöhten Konzentrationen des Proteins plasmaphosphoryliertes Tau 217 (p-tau217) in Blutproben und der anschließenden Entwicklung einer leichten kognitiven Beeinträchtigung (MCI) oder Demenz. Die im Journal of the American Medical Association veröffentlichten Ergebnisse verdeutlichen das Potenzial der Früherkennung, zeigen aber auch die Komplexität der Wirkung dieses Biomarkers in verschiedenen Bevölkerungsgruppen auf.
Wichtigste Ergebnisse der Studie
Die Studie verfolgte 2.766 Frauen im Alter von 65 bis 79 Jahren über zwei Jahrzehnte (1996–2021). Im Laufe dieser Zeit entwickelten 1.311 Personen entweder MCI oder Demenz. Bei Frauen mit höheren p-tau217-Ausgangswerten war die Wahrscheinlichkeit, dass diese Erkrankungen diagnostiziert wurden, deutlich höher. Dies legt nahe, dass p-tau217 als Frühwarnsignal für die Krankheit dienen könnte.
Allerdings war der Zusammenhang bei Frauen, die eine kombinierte Östrogen- und Gestagen-Hormontherapie erhielten, stärker als bei Frauen, die ein Placebo erhielten. Die Gruppe, die nur Östrogen erhielt, wies nicht das gleiche erhöhte Risiko auf. Darüber hinaus erwies sich der Test bei Frauen über 70 Jahren und solchen, die das APOE ε4 -Gen, einen bekannten genetischen Risikofaktor für die Alzheimer-Krankheit, trugen, als genauer.
Warum das wichtig ist
Die Alzheimer-Krankheit und andere Formen der Demenz sind fortschreitende, irreversible Erkrankungen. Die frühzeitige Erkennung von Risikofaktoren könnte es Einzelpersonen ermöglichen, ihren Lebensstil zu ändern, an klinischen Studien teilzunehmen oder sich auf die Zukunft vorzubereiten. Der Hauptautor der Studie, Aladdin H. Shadyab, erklärte, dass der Bluttest „Personen mit einem höheren Risiko für Demenz identifizieren könnte, lange bevor Symptome auftreten“.
Dies ist von Bedeutung, da aktuelle Diagnosemethoden (kognitive Tests, Gehirnscans) oft erst eingesetzt werden, nachdem Symptome aufgetreten sind und Interventionen möglicherweise weniger wirksam sind. Ein einfacher Bluttest bietet ein potenziell zugängliches und kostengünstiges Screening-Tool.
Einschränkungen und zukünftige Richtungen
Die Studie erkennt mehrere Einschränkungen an. Die Stichprobe bestand ausschließlich aus älteren Frauen, was bedeutet, dass die Ergebnisse möglicherweise nicht auf Männer oder jüngere Personen zutreffen. Darüber hinaus variierte die Vorhersagekraft des Tests je nach Rassengruppe: Bei schwarzen Frauen war er weniger genau als bei weißen Frauen.
Ian McDonough, ein an der Studie nicht beteiligter Forscher, stellte fest, dass „Plasma-Biomarker keine einheitliche Prognoselösung sein werden“. Weitere Forschung ist erforderlich, um den Test zu verfeinern und seine Zuverlässigkeit für verschiedene Bevölkerungsgruppen sicherzustellen.
Jenseits von Biomarkern: Lebensstil und frühe Anzeichen
Während Blutuntersuchungen bei der Risikoerkennung hilfreich sein können, betonen Experten, dass Lebensstilfaktoren eine entscheidende Rolle bei der Demenzprävention spielen. Regelmäßige körperliche und geistige Aktivität sowie eine gesunde Ernährung können das Risiko verringern. Auch das Erkennen früher Symptome – wie Verlust des Kurzzeitgedächtnisses, Persönlichkeitsveränderungen und Schwierigkeiten bei der Wortfindung oder Planung – ist wichtig.
Letztlich bietet ein proaktives Gesundheitsmanagement gepaart mit Fortschritten in der Früherkennung den besten Ansatz, um der wachsenden Herausforderung der Demenz zu begegnen.
