Nach Monaten des öffentlichen Schweigens nach seiner Entlassung wegen „unangemessenen sexuellen Verhaltens“ hat der ehemalige TODAY -Moderator Matt Lauer seine erste offizielle Erklärung abgegeben. Seine Antwort kommt, als neue Aussagen zur Unternehmenskultur bei NBC und zum Umgang des Senders mit internen Beschwerden auftauchen.
Lauers Verteidigung: Anerkennung vs. Verleugnung
In einer Erklärung gegenüber der „Washington Post“ ging Lauer auf seinen plötzlichen Abschied von NBC im November ein. Er bezeichnete sein jüngstes Schweigen als einen Schritt zum Schutz der Privatsphäre seiner Familie, behauptete jedoch, dass die jüngsten Berichte eine öffentliche Reaktion erforderten.
Lauers Aussage zieht eine scharfe Grenze zwischen seinem persönlichen Verhalten und der rechtlichen Natur der gegen ihn erhobenen Vorwürfe:
„Ich erkenne voll und ganz an, dass ich als Ehemann, Vater und Direktor bei NBC unangemessen gehandelt habe. Ich möchte jedoch klarstellen, dass alle Behauptungen oder Berichte über Zwangshandlungen, aggressive oder missbräuchliche Handlungen meinerseits zu irgendeinem Zeitpunkt absolut falsch sind.“
Während Lauer Verhaltensfehler zugibt, bestreitet er ausdrücklich jegliche Behauptung von Zwang, Aggression oder Missbrauch und versucht, sich von den strengeren kriminellen oder räuberischen Bezeichnungen zu distanzieren, die in verschiedenen Berichten verwendet werden.
Die Aussage von „Ann Curry“ und die Antwort von NBC
Der Zeitpunkt von Lauers Aussage ist kein Zufall. Es folgt ein Bericht der „Washington Post“, in dem die systemischen Herausforderungen detailliert beschrieben werden, mit denen NBC im Zusammenhang mit sexueller Belästigung konfrontiert war. Eine Schlüsselfigur in diesem Bericht ist Ann Curry, Lauers ehemalige Co-Moderatorin bei TODAY.
Curry behauptet, sie habe Jahre vor Lauers Entlassung versucht, als Whistleblowerin aufzutreten:
– Der Vorfall: Curry behauptet, eine Kollegin sei „unter Tränen“ auf sie zugekommen und habe behauptet, sie sei von Lauer körperlich sexuell belästigt worden.
– Die Warnung: Curry gibt an, sie habe das NBC-Management über den Vorfall informiert und ihnen geraten, Lauers Interaktionen mit Frauen zu überwachen.
– Die Folgen: Curry wurde 2012 aus der TODAY -Show entlassen – im selben Jahr, in dem sie behauptet, diese Warnung ausgesprochen zu haben – und verließ den Sender schließlich im Jahr 2015.
NBC hat diesen Zeitplan bestritten. Ein Sprecher des Senders gab an, dass es keine Aufzeichnungen darüber gibt, dass Curry jemals eine solche Warnung ausgesprochen hat. Diese Diskrepanz verdeutlicht eine immer wiederkehrende Spannung in Fällen von Fehlverhalten, die viel Aufsehen erregen: die Lücke zwischen den Aussagen von Mitarbeitern und der offiziellen Unternehmensdokumentation.
Ein Muster von Vorwürfen bei NBC
Die Kontroverse um Lauer ist Teil eines umfassenderen, beunruhigenderen Trends, an dem erfahrene Nachrichtensprecher des Senders beteiligt sind. Diese Woche tauchten neue Vorwürfe gegen den ehemaligen NBC-Nachrichtensprecher Tom Brokaw auf.
Linda Vester, eine ehemalige Korrespondentin von NBC News, sagte gegenüber Variety, dass Brokaw mehrere Fälle von Fehlverhalten begangen habe, darunter den Versuch, sie gewaltsam zu küssen und sie in einem Konferenzraum zu begrapschen. Ein Sprecher von Brokaw wies diese Behauptungen zurück und erklärte, er habe gegenüber Vester „keine romantischen Annäherungsversuche“ gemacht.
Warum das wichtig ist
Diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass die Probleme bei NBC möglicherweise nicht auf eine einzelne Person beschränkt sind, sondern vielmehr auf ein breiteres kulturelles Problem innerhalb der Organisation hinweisen. Die widersprüchlichen Berichte zwischen Whistleblowern wie Curry und der offiziellen Haltung des NBC-Managements werfen kritische Fragen zu folgenden Themen auf:
1. Rechenschaftspflicht: Funktionieren interne Meldemechanismen tatsächlich zum Schutz der Mitarbeiter?
2. Unternehmensgedächtnis: Warum wichtige Warnungen möglicherweise nicht in offiziellen Dateien erfasst werden.
3. Systemische Kultur: Ob die „Starpower“ prominenter Moderatoren ein Umfeld geschaffen hat, in dem Fehlverhalten jahrelang übersehen werden konnte.
Schlussfolgerung: Matt Lauers Versuch, seine Handlungen klarzustellen, verdeutlicht eine sich verschärfende Krise für NBC, da widersprüchliche Zeugenaussagen auf ein mögliches historisches Versäumnis hindeuten, sexuelles Fehlverhalten in den Reihen des Senders anzugehen.









